Streik-Stopp und Zwischenkundgebung an der Luisenschule

Tarifrunde 2021: Warnstreik in Bielefeld am 16.11.21

Bunte Luftballons und orangefarbene Banner am Schulhof-Geländer strahlten in die Stadt und empfingen den Streikzug zu seinem Zwischen-Stopp an der Paulusstraße.
Streik-Stopp und Zwischenkundgebung an der Luisenschule

Christoph Müer, Lehrerrat an der Luisenschule, Personalrat und GEW-Mitglied im Bielefelder Stadtvorstand, begrüßte die Streikenden - umrahmt von neugierigen Schüler:innen in ihrer großen Pause. Luisen-Lehrer:innen hatten Banner gestaltet und zuvor die Texte entworfen und ihre Forderungen und Botschaften auf rote Karten geschrieben. Christoph Müer las einige vor:

"Angestellte müssen genauso bezahlt werden wie verbeamtete Lehrer!" steht nicht nur auf einer Karte. Diese Forderung nach einer fairen Behandlung spiegelt sich auch in der Aussage: "Außerdem gerechtere Arbeitszeiten für Teilzeitkräfte und Realschullehrer!" Letzteres spielt auf die immer noch hohe Unterrichtsverpflichtung von 28 Stunden pro Woche an. "Ich wünsche mir kleinere Klassen, um den einzelnen Kindern mehr gerecht zu werden." Auch die Forderung "A13 bzw. EG13 für alle" ist Thema: Trotz gleicher Ausbildung ist die Bezahlung in der Sek-Stufe II immer noch höher als an anderen Schulformen, wo die pädagogisch-didaktisch-methodische Leistung, Elternarbeit und Erziehungsarbeit häufig sogar höher zu bewerten sind.

Eine andere Kollegin spricht die schlechten Arbeitsbedingungen an: "Hier ist es zu voll und viel zu laut. Für die Klassenstärke sind die Räume zu klein. Die Akustik in der Sporthalle grenzt an Körperverletzung.!

Ihren Ärger und Frust drückt eine angestellte Kollegin so aus: "Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass in jahrzehntelanger sozialdemokratischer Regierungszeit in NRW die ungleiche Bezahlung bzw. Besoldung für gleiche Arbeit nicht aufgehoben wurde. - Die Differenzierungsgründe sind in Anbetracht der gleichen Anforderungen absolut nicht gerechtfertigt!" Ein anderer tarifbeschäftigter Kollege geht nicht auf die Straße und schreibt auf seine rote Karte: "Nach 30 Jahren Frust und nur hohlen Ankündigungen muss ich nicht für die Beamten streiken."

Christoph Müer nennt aber auch gute Entwicklungen mit Blick auf die 112jährige Geschichte der Luisenschule: seit 1976 lernen hier Mädchen und Jungen gemeinsam, ab 2012 kamen Sanierungs- und Anbaumaßnahmen hinzu, dann der zweite Standort; inzwischen verstärkt ein sozialpädagogisches und Multiprofessionelles Team die Lehrerschaft. Dennoch: Einige Zustände scheinen festzementiert, obwohl sie als Misstände lange bekannt sind! Deshalb ist es so wichtig, so Christoph Müer von der Schulhof-Treppe, "dass ihr auf der Straße seid! Immer wieder, hartnäckig einfordern, nicht nachlassen!"

Zum Schluss gab es dann noch Musik von Peter Konopka, die Schülerinnen und Schüler wippten munter im Takt und sammelten als Souvenirs die bunten Luftballons.